AG Klinische und experimentelle Schmerzforschung
Schmerzforschung ist in den interdisziplinären Kontext der Schmerzmedizin eingebunden. Wir bearbeiten Fragestellungen zu Schmerzmechanismen unter Einsatz klinisch-experimenteller Methoden (z.B., Ultraschall, Scher-Wellen-Elastographie, psychophysiologische Schmerztestung, quantitative sensorische Testungen, EMG, EEG, Motion Tracking) unter gleichzeitiger Berücksichtigung psychologischer und funktioneller Aspekte. Hier haben wir spezielle Projekte zum Rücken-, Nacken- und Arthroseschmerz durchgeführt und aktuell zur klinischen Erfassung der Zentralen Sensibilisierung.
Ein wesentlicher Forschungsschwerpunkt ist die interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie, die in den frühen 90er Jahren in der Göttinger Schmerzambulanz erstmalig in Deutschland entwickelt wurde. Die Prüfung der Effektivität bei unterschiedlichen Syndromgruppen und die ständige Adaptation und Weiterentwicklung dieses Ansatzes führte und führt regelhaft zu wissenschaftlichen Fragestellungen, die im Rahmen von Doktorarbeiten oder Forschungsprojekten bearbeitet werden. Ab 2019 ist ein multizentrisches Projekt zur Effektivitätsprüfung des multimodalen Behandlungsansatzes geplant. Die bundesweite Datenbank KEDOQ-Schmerz, ein Projekt der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. mit Daten aus der schmerztherapeutischen Versorgung wird von Göttingen aus mitgestaltet.

Im Zuge des aktiven Mitwirkens an der Nationalen Versorgungsleitlinie Rückenschmerz sind für Patienten mit psychosozialen Risikofaktoren verhaltenstherapeutische Kurzbehandlungsprogramme entwickelt worden, die in einem ersten Forschungsprojekt zusammen mit einem neuen Screening-Verfahren zur Chronifizierung von Schmerzerkrankungen ihre grundsätzliche Wirksamkeit nachweisen konnten.
Mehrere der o.g. Fragestellungen sind u.a. Gegenstand des INNOFOND-Projektes „PAIN2020“, das als multizentrisches Forschungsprojekt mit den Schwerpunkten in Berlin, Mainz, Dresden und Göttingen konzipiert ist.
Die Zielstellung von PAIN2020 liegt in der Verbesserung der Versorgungsqualität und Versorgungseffizienz für Patienten mit Risikofaktoren für chronifizierende Schmerzen durch:
- Die Einführung eines frühen interdisziplinären multimodalen Assessments (IMA).
- Das Angebot von zwei ambulanten interdisziplinären multimodalen (Schmerz-) Therapiemodulen.
In das deutschlandweit durchgeführte Projekt sollen in den nächsten beiden Jahreninsgesamt 6.000 Patienten in interdisziplinär-multimodalen Einrichtungen der spezialisierten schmerztherapeutischen Versorgung einbezogen werden. Innerhalb des Projekts werden unterschiedliche wissenschaftliche Fragestellungen in Bachelor-, Master- und Promotionsarbeiten behandelt.
Im Bereich der perioperativen Schmerztherapie liegt ein weiterer Schwerpunkt der Forschungsaktivitäten. Hier geht es einerseits um Mechanismen der Chronifizierung akuter Schmerz nach Operationen und andererseits der Auswirkungen präoperativer chronischer Schmerzen auf den postoperativen Verlauf, inkl. innovativer Konzepte der postoperativen Nachbetreuung von Risikopatienten und geeigneter klinischer Ergebnisparameter. Versorgungsforschung zu Qualität, Strukturen und Prozessen der Akutschmerztherapie in operativen und konservativen Bereichen ist eng verknüpft mit vielfältigen Aktivitäten in Arbeitskreisen und Gremien der entsprechenden Fachgesellschaften.
Die Analyse von Studien zu Cannabinoiden und Opioiden in der Schmerztherapie in systematischen Reviews und Meta-analysen und aktive Mitarbeit bei der Erstellung schmerzmedizinischer Leitlinien (S3-leitlinie LONTS und Fibromyalgiesyndrom), ist ein weiterer Bereich der wissenschaftlichen Arbeit.
Eindrücke vom Deutschen Schmerzkongress 2026
Arbeitsgruppe

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- e-mail address: frank.petzke(at)med.uni-goettingen.de
secretariat
- telephone: +49 551 3967781
- e-mail address: schmerzmedizin(at)med.uni-goettingen.de
Infos for patients
- telephone: +49 551 3967788
Profil: Facharzt für Anästhesiologie
Zusatz- Weiterbildung: Spezielle Schmerztherapie, Palliativmedizin
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- e-mail address: anne.kaestner(at)med.uni-goettingen.de
Infos for patients
- telephone: +49 551 3967788
Profil: Psychologische Psychotherapeutin (VT)
Zusatz- Weiterbildung: Spezielle Schmerzpsychotherapie
Forschungsprofil: Dr. Anne Kästner verfügt über einen wissenschaftlichen Hintergrund in der translationalen und systemischen Neurowissenschaft. Nach ihrer Promotion im Bereich der Klinischen Neurowissenschaften am Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin, wo sie neurobiologische und genetische Grundlagen psychiatrischer Erkrankungen erforschte, verlagerte sie ihren Forschungsschwerpunkt auf chronische Schmerzen. Seit 2017 ist sie an der Schmerzklinik der Universitätsmedizin Göttingen in der klinischen Versorgung und als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig. Dabei verbindet sie ihre neurowissenschaftliche Forschungsexpertise mit ihrer klinischen Qualifikation als Psychologische Psychotherapeutin. Im Zentrum ihrer Forschung stehen emotionale, motivationale und selbstregulatorische Mechanismen chronischer Schmerzen. Sie untersucht insbesondere, wie motivationale Systeme, Selbstregulationsfähigkeiten und kognitiv-emotionale Prozesse wie Erwartungen, Schmerzkatastrophisieren und Emotionsregulation das Schmerzerleben, schmerzbezogenes Verhalten und die Anpassung an persistierende Schmerzen beeinflussen. Hierzu nutzt sie theoriegeleitete Forschungsansätze und moderne statistische Analyseverfahren.
Langfristiges Ziel ihrer Forschung ist es, motivational-affektive Mechanismen der Schmerz-chronifizierung besser zu verstehen und damit zur Entwicklung individualisierter, mechanismenbasierter diagnostischer und therapeutischer Ansätze beizutragen.
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Infos for patients
- telephone: +49 551 3967788
Profil: Fachärztin für Anästhesiologie
Zusatz- Weiterbildung: Notfallmedizin
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- e-mail address: leonie.schouten(at)med.uni-goettingen.de
Laufende Projekte
Projektkoordination und wissenschaftliche Leitung Dr. Anne Kästner:
- FIBRO-ACCT - Investigating the therapeutic efficacy and treatment-related predictors and mediators of ACCelerated home-based Transcranial direct current stimulation in FIBROmyalgia
Klinische Studie in Kooperation mit dem Labor für nicht-invasive Hirnstimulation der Neurologie der UMG. Weitere Informationen zur Studienteilnahme an FIBRO-ACCT finden Sie hier.
- Does self-compassion alter the cortical activity in M1 vs. DLPFC in response to experimentally induced tonic pain?
Experimentelle Studie in Kooperation mit dem Labor für nicht-invasive Hirnstimulation der Neurologie der UMG und Prof. Ana Ganho Àvila vom Zentrum für Forschung in Neuropsychologie sowie kognitiver und verhaltensbezogener Intervention (CINEICC), Universität Coimba, Portugal
- Vorhersage chronischer postoperativer Schmerzen nach minimalinvasiver Chirurgie: die Rolle von sensorischer Verarbeitungssensitivität, Interozeption und Emotionsregulation
Multizentrische, nicht-interventionelle Beobachtungsstudie in Kooperation mit PD Dr. med. Mirjam Eberhardt aus der Abteilung für Anästhesiologie der Medizinischen Hochschule Hannover
Laufende Projekte als kooperierende Wissenschaftler:innen
Entwicklung und Evaluation eines Fragebogen zu Kenntniss und Nutzung immunologischer Parameter in der Sepsis („Immune-Awareness-Score“)
Mitarbeit im Projekt von PD. Dr. med. Martin Winkler aus der Anästhesiologie der UMG - Unterstützung bei der Konstruktion und Evaluation des FragebogensÜbersetzung und Adaptierung des “Meaning-Centered Pain Coping Skills Training (MCPC)” vom Englischen ins Deutsche
Mitarbeit im Projekt von Dipl.-Psych. Dr. Maximiliane Jansky und PD. Dr. med. Erika Schulte
Abgeschlossene Projekte
- POET-Pain
- PAIN2.0
- PAIN2020
Kooperationen
International:
- Centre of Precision Rehabilitation for Spinal Pain (CPR Spine), School of Sport, Exercise and Rehabilitation Sciences, College of Life and Environmental Sciences, University of Birmingham, Professor D. Falla
- Research Centre Mech-Sense, Aalborg Hospital, Denmark, Professor A. Drewes
National:
- Hochschule Furtwangen, Studienzentrum Freiburg, Professor A. Dieterich
- HAWK Hildesheim, Prof. M. Schäfer
- Institute of Applied Mechanics, Universität Stuttgart, Dr. L Gizzi, Prof. O. Röhrle
- Department Anästhesie und Intensivmedizin, Annastift Hannover, PD Dr. M. Przemeck
- Orthopädische Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover, Prof. Dr. med. H. Windhagen, Dr. S. Budde
- Klinik für Anästhesiologie und Schmerztherapie - Inselspital Bern, Frau Prof. Dr. med. U. Stamer
- Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie - Universitätsklinikum Jena, Prof. Dr. med. W. Meißner
- Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Medizinische Hochschule Hannover, Prof. Dr. W. Koppert
- Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie, Universitätsklinikum Münster, Prof. Dr. E. Pogatzki-Zahn
- Arbeitskreis Akutschmerz der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. Berlin
- Arbeitskreis Schmerzmedizin der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. Nürnberg
- Arbeitskreis Schmerz und Bewegung der Deutschen Schmerzgesellschaft
- Ad-hoc-Kommission Interdisziplinäre Multimodale Schmerztherapie (IMST) der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V., Berlin
- Ad-hoc-Kommission Kedoq-Schmerz, Deutschen Schmerzgesellschaft e.V., Berlin
- Ad-hoc-Kommission „Zertifizierung“, Deutschen Schmerzgesellschaft e.V., Berlin
Intern:
- Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Universitätsmedizin Göttingen, Prof. Dr. M. Schön, Dr. K. Thoms
- Klinik für Palliativmedizin, Universitätsmedizin Göttingen, Prof. Dr. F. Nauck. Prof. Dr. B. Alt-Epping
- Klinik für Gastroenterologie und gastrointestinale Onkologie, Prof. Dr. V. Ellenrieder, PD Dr. S. Kunsch, Dr. L. Reinhardt
- Abteilung für klinische Neurophysiologie, Universitätsmedizin Göttingen, Prof. Dr. W. Paulus, Prof. A. Antal
Ausgewählte Publikationen
der letzten 5 Jahre
Kästner, A., Mahlzahn, D., Petzke, F., Hagmayer, Y. (2026). A theory-driven structural equation modeling approach to the behavioral inhibition and activation systems model of chronic pain: evaluating the mediating role of self-regulatory and volitional abilities. Health Psychology. DOI: 10.1037/hea0001605
Kästner, A. & Petzke, F. (2026). Digitale Akzeptanz- und Commitment-Therapie bei chronischen Schmerzen: Evidenz, Potenzial und offene Fragen. Dtsch Arztebl Int; 123. DOI: 10.3238/arztebl.m2026.0018
Kaiser, U., Schouten, L., Hoffmann, G., Preissler, A., Adler, F., Zinndorf, L., Kästner, A., Metz-Oster, B., Hoffner, E., Lindena, G., Team, P., Kohlmann, T., Meyer-Moock, S., Szczotkowski, D., Geber, C., Petzke, F., Milch, L., & Gartner, A. (2025). How does an intervention work?-English Version : Development of an effect model for a complex intervention to prevent recurring or persistent pain using the example of PAIN 2.0. Schmerz. (Wie wirkt eine Intervention? - Englische Version : Entwicklung eines Wirkmodells für eine komplexe Intervention zur Prävention wiederkehrender oder andauernder Schmerzen am Beispiel von PAIN 2.0.). DOI: 10.1007/s00482-024-00860-8
Ramasawmy, P., Antal, A., Arana, O. L. G., Petzke, F., & Kästner, A. (2025). Adding Anodal Transcranial Direct Current Stimulation to Mindfulness Meditation Abolishes Mindfulness-induced Improvements in Emotion Regulation in Fibromyalgia: A Responder Analysis. Clin J Pain. DOI: 10.1097/AJP.0000000000001319
Kästner, A., Donhauser, M., von Freytag-Loringhoff, I., & Petzke, F. (2025). Cross-cultural adaptation and psychometric evaluation of a German version of the Activity Patterns Scale (APS-GE) in a large sample of patients with chronic musculoskeletal pain. Front Pain Res (Lausanne), 6, 1570432. DOI: 10.3389/fpain.2025.1570432
Kästner, A. & Petzke, F. (2024). Personality systems interactions theory: an integrative framework complementing the study of the motivational and volitional dynamics underlying adjustment to chronic pain. Front Pain Res (Lausanne), 5. DOI: 10.3389/fpain.2024.1288758
Erlenwein, J.*, Kästner, A.*, Gram, M., Falla, D., Drewes, A. M., Przemeck, M., & Petzke, F. (2023). Pain chronification impacts whole-brain functional connectivity in women with hip osteoarthritis during pain stimulation. Pain Med, 24(9), 1073-1085. DOI: 10.1093/pm/pnad057
Erlenwein, J., Tavernini, T., Kästner, A., & Petzke, F. (2023). [Dealing with "complex" pain patients in eye surgery : Perioperative management of patients with pre-existing chronic pain, opioid consumption and opioid use disorder]. Ophthalmologie, 120(12), 1204-1215. (Umgang mit "komplexen" Schmerzpatienten bei Augeneingriffen : Perioperatives Management von Patienten mit vorbestehenden chronischen Schmerzen, Opioidvormedikation und Opioidabhangigkeit.) DOI: 10.1007/s00347-023-01949-8
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